Tadelakt ist nicht nur eine Putz- oder Stucktechnik, sondern auch ein Material, ein natürlicher Kalkverputz, der seinen Ursprung in Marakech, oder im unteren Atlasgebirge hat, wo das Material heutzutage immer noch in der traditionellen Form hergestellt wird.
Der Kalkstein wird nach sorgfältiger Auswahl durch den Handwerker zu einem Kalkofen errichtet und mehrere Tage mit Palmblättern und -holz befeuert. Kalköfen befinden sich rund um Marrakech. Nach dem Brennprozess entsteht Kalziumoxid (ungelöschter Kalk), ein hochgradig reaktives Material welches durch Besprühung mit Wasser „gelöscht“ wird. Kalziumoxid (CaO) verbindet sich mit Wasser und expandiert, sodass der Stein zerfällt und ein Pulver, Kalziumhydroxid (CaO2) entsteht. Der Brennvorgang ist jedoch durch seine so handwerkliche Art unvollständig geblieben, d.h. nicht alle Steine sind komplett gebrannt worden. Dadurch ergibt sich ein wichtiger zweiter Bestandteil unseres Mörtels, Kalksteinsand in unterschiedlichsten Korngrössen. Das entstandene Pulver wird gesiebt um die zu grossen Bestandteile des Sandes im Mörtel zu vermeiden. Danach ist unser Grundmaterial fertig zum Einsacken.

Daher die Wichtigkeit der Anwendung des Poliersteines. Nach zweilagigem Auftrag an die Wand werden restliche, störende Sandpartikel zerrieben. Die Sandbestandteile geben unserem Tadelakt eine besondere Festigkeit. An der Wand beginnt unser Kalkmörtel mit dem Prozess der Karbonatisierung, d.h. es schliesst sie der Kalkzyklus, in dem sich letztlich unser Kalziumhydroxid wieder in Kalkstein verwandelt, wobei wird CO2 aus der Luft gebunden. Ein „magischer“ Zyklus hat sich geschlossen. Der Mensch ist somit in der Lage, puren Kalkstein an seine Wände zu bringen, wo er wiederum Jahrtausende verbleiben kann und Jahr für Jahr härter und schöner wird.
Wir haben es also mit einem noblen Material ohne weitere chemische Zusätze zu tun. Seiner geologischen Komposition, Kalkgestein, verleiht ihm speziellen Eigenschaften wie Diffusionsoffenheit und Hyrophobie.
